Geschichte

Vorgeschichte und Entstehung des Gymnasiums Weingarten

Am 26. August 1974 öffnete das Gymnasium Weingarten zum ersten Mal seine Tore für 450 Schülerinnen und Schüler in vier fünften, vier sechsten und drei siebten Klassen. Die Schüler der sechsten und siebten Klassen besuchten vorher Ravensburger Gymnasien. Das Kollegium umfasste rund 15 Lehrerinnen und Lehrer; sie kamen zum großen Teil ebenfalls aus Ravensburg; zwei waren Rückkehrer aus dem Auslandsschuldienst. Drei Tage vorher fanden im Musiksaal die feierliche Eröffnung der neuen Schule durch Oberbürgermeister Mayer mit einer Vielzahl geladener Gäste und die Amtseinsetzung von Wilhelm Lamparter durch Abteilungsdirektor Dr. Reiner vom Oberschulamt Tübingen zum Schulleiter statt.

Das Schulhaus war nagelneu. Es war ausgelegt für 33 Klassen mit allen dazugehörigen Fachräumen für Physik, Chemie, Biologie, Musik, Bildende Kunst, Handarbeit und Werken. Dazu kamen ein Sprachlabor, Schüler- und Lehrerbücherei, ein Fotolabor und Aufenthaltsräume für auswärtige Schüler. Auch der Verwaltungsbereich mit Lehrerzimmer, Sekretariat und Rektorat war großzügig angelegt. Alle Fachräume waren hervorragend ausgestattet. Jedes Klassenzimmer besaß seinen eigenen Tageslichtschreiber, und die Schule verfügte über einen in Basic programmierbaren Computer mit zugehörigem Drucker – Einrichtungen, von denen viele Schulen damals wahrhaftig nur träumen konnten. 

Die Erstellung eines Gymnasiums in Weingarten hat eine lange Vorgeschichte: Bereits seit Ende der fünfziger Jahre war in Weingarten eine heftige Diskussion im Gange, ob zunächst ein Progymnasium oder eine Mittelschule (heute Realschule) gebaut werden sollte. Am 1. April 1961 entschied sich der Gemeinderat für die Mittelschule. Dies trug ihm heftige Kritik der damals in Weingarten lebenden Gymnasiallehrer ein, die sich in einem vierseitigen Schreiben bitter darüber beklagten, nicht gehört worden zu sein, und die befürchteten, dass damit die Einrichtung eines Gymnasiums unmöglich geworden sei.

Doch dem war nicht so: Bereits am 19. November 1964 fasste der Gemeinderat einstimmig den Beschluss, in Weingarten ein Gymnasium als Vollanstalt zu errichten. Schon am 10. Mai 1965 erhielt die Stadt vom Oberschulamt die Mitteilung, dass das Kultusministerium dem Vorhaben zugestimmt hat.

 Als Ende der sechziger Jahre auf Grund der stark steigenden Schülerzahlen die Schulraumnot in Ravensburg immer größer wurde, wandte sich der Elternbeirat des Mädchengymnasiums (heute Welfengymnasium) mit der Bitte an den Weingartner Gemeinderat, auf „möglichst baldige Errichtung des Gymnasiums Weingarten zur Behebung der Schulraumnot in Ravensburg“ hinzuwirken. Dies löste beim damaligen Bürgermeister Mayer Verwunderung aus, hatte ihm doch sein Vorgänger Bürgermeister Braun auf seine diesbezügliche Frage mitgeteilt: „Ravensburg hat (in den fünfziger Jahren) mit Argusaugen darüber gewacht, dass ihm keine Konkurrenz (durch ein Gymnasium in Weingarten) erwächst.“

Wie kam es aber nun dazu, dass es dann von dem Beschluss des Gemeinderats und der Genehmigung des Kultusministeriums doch noch fast zehn Jahre bis zu Eröffnung der Schule dauerte? Dies hatte mehrere Gründe:

Die Raumnot der Weingartner Grund- und Hauptschulen erzwang, dass zunächst die Oberstadtschule gebaut werden musste und daher mit der Planung für das Gymnasium erst nach deren Fertigstellung im Jahre 1969 begonnen werden konnte.

1969 folgten langwierige Verhandlungen mit dem Oberschulamt über die Größe des zu bauenden Gymnasiums. Auch gab es Überlegungen für eine Gesamtschule unter Einbeziehung der Tal- und Realschule. Das Oberschulamt wies dann allerdings darauf hin, dass die Stadt schneller zu ihrem Gymnasium komme, wenn es im normalen Verfahren und nicht als Modellschule gebaut werde.

Ausführlich wurde auch über die Ausrichtung der Schule diskutiert: mathematisch-naturwissenschaftlich, neusprachlich mit Lateinzug oder – wofür das Kloster plädierte, das damals noch eine Internatsschule unterhielt – altsprachlich.

Probleme gab es auch zum einen beim Erwerb eines passenden Grundstücks, zum andern mit dem Oberschulamt wegen der Größe der zu bauenden Schule.

Beides wurde erst 1970 entschieden. Für das Gymnasium sollte das Raumprogramm einer 33-klassigen Schule (4-zügig in Unter- und Mittelstufe, 3-zügig in der Oberstufe) zugrunde gelegt werden.

Im selben Jahr konnte auch die Grundstückfrage gelöst werden. Durch einen Grundstückstausch zwischen der Baugesellschaft Junginger und der Stadt stand ein Areal von 10,9 ha für Gymnasium, Realschule, Talschule, Hallenbad und Sporthalle mit Außenanlagen zur Verfügung.

Im Dezember 1970 wurde ein Architektenwettbewerb ausgelobt, aufgrund dessen das Architekturbüro Kugel-Maier-Yöndel von Juni 1971 bis Oktober 1972 die Entwurfsplanung ausarbeitete.

Die Bauausführung wurde durch Gemeinderatsbeschluss vom 1. Februar 1973 an die Firma Koch Universalbau München vergeben. Bereits im April 1973 wurde mit dem Bau begonnen. Der vertraglich festgelegte Kostenrahmen von 10,5 Millionen und die Bauzeit von 16 Monaten wurden pünktlich eingehalten, und so konnte der Schulbetrieb termingerecht am 26. August 1974 aufgenommen werden.

Wilhelm Lamparter, Schulleiter 1974 bis 1998