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Kann Architektur eine Antwort auf große Fragen der Zeit geben?

Wer im nur 60 Zentimeter breiten Flur von Le Corbusiers Doppelhaushälfte in der Stuttgarter Weissenhofsiedlung steht, dem kommen unweigerlich erst einmal ganz pragmatische Fragen in den Sinn: „Wie transportiert man hier eigentlich Möbel oder einen Koffer?“ oder „Wie kommt man hier aneinander vorbei?“ Fragen, die den Schüler*innen des Kunst-Leistungskurses der Jahrgangsstufe 12 kamen, als sie am Mittwoch, den 7. Oktober 2026, auf Exkursion in Stuttgart waren.

Neben einem Besuch in der Staatsgalerie und der Kunstakademie – wo Studierende aus ihrem Alltag berichteten und die Türen zu ihren Ateliers öffneten – stand die berühmte Weissenhofsiedlung im Zentrum des Interesses. Das im Jahr 1927 in einer Rekordzeit von nur vier Monaten errichtete Ensemble war das Ergebnis einer Ausstellung der Stadt Stuttgart zum Thema „Wohnen“. Die Herausforderung damals unterscheidet sich kaum von den drängenden Problemen von heute: Durch die fortschreitende Industrialisierung wuchsen die Städte rasant, und bezahlbarer Wohnraum war Mangelware.

Pioniere der Moderne wie auch die Architekten Mies van der Rohe, Walter Gropius und Hans Scharoun dachten Architektur völlig neu. Durch u.a. innovative Baumaterialien, multifunktionale Flächennutzung und reduzierte Formen erfanden sie das Wohnen als funktional, erschwinglich und zeitgemäß. Damit lieferten sie auch eine Antwort auf die Frage nach gesellschaftlicher Teilhabe und Demokratisierung. Nicht ohne Grund wollten die Nationalsozialisten wenige Jahre später die Weissenhofsiedlung abreißen. Den Umgang mit Architektur kann demnach auch den geistigen Horizont einer Zeit verdeutlichen.

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