Gedenken einmal anders: Gymnasium Weingarten beim Theaterstück „Nach Europa“
Der erste Eindruck: in der kaum erleuchteten Kirche steht der Nebel. An der Tür ein Schild, dass empfindliche Personen vor der Lasershow warnt – im Altarraum ein Holzgerippe: ein Flüchtlingsboot auf dem Weg „nach Europa“. Das Stück handelt von 2 Personen, die sich auf der Flucht über das Mittelmeer in einer Nussschale wiederfinden, ein Moslem und ein Christ, die sich trotz aller Gegensätze und Wut aufeinander einstellen müssen, um zu überleben und das Ziel zu erreichen. Jeder der beiden hat seine eigenen Vorstellungen von Europa, das Land ihrer Sehnsüchte. Für die Flüchtlinge ist Europa das Land, in dem Milch und Honig fließen, dafür sind sie bereit, jede Entbehrung zu ertragen. Dass dies jedoch nur die eine Seite der Medaille ist, wird in der zweiten Ebene des Stückes klar: skrupellose „Commandantes“ und Finanzhaie tun alles dafür, um die Flüchtlingskrise weiter anzuheizen und Europa zu destabilisieren. Es geht allein um die Macht, Menschen werden zum Verfügungsmaterial der Investmentstrategie.
Die schwere inhaltliche Kost wird durch die beeindruckenden Lasereffekte abgemildert. Mal schwappen blaue Wogen an das Boot, mal tun sich unüberwindbare Barrieren auf, mal wird die Geschichte Europas in die nebelverhangene Luft projiziert.
Ein beeindruckender Kontrast, der die Schülerinnen und Schüler nicht kalt ließ. Gespannt verfolgten sie die Aufführung und ließen sich von den herausfordernden Inhalten ansprechen. In der abschließenden Fragerunde zeigte sich, wie sehr das Stück sie zum Nachdenken gebracht hatte. Still verließen die Schülerinnen und Schüler die Kirche – in den nächsten Religion/Ethik- oder Gemeinschaftskundestunden wird noch viel Redebedarf sein über dieses mitreißende Stück.