Gemeinsam unterwegs auf dem Jakobsweg: Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Weingarten wanderten auf dem Jakobsweg von Weingarten nach Ravensburg
Am letzten Schultag vor den Osterferien starteten rund 150 Schülerinnen und Schüler vom Gymnasium Weingarten zu einer besonderen Tour: einer Pilgerwanderung entlang des Jakobswegs nach Ravensburg. Das war ein Erlebnis anlässlich des 50-jährigen Schuljubiläums – mit dem Ziel, Gemeinschaft zu spüren und innezuhalten, ganz gleich, welcher Religion man angehört. Schließlich ist Pilgern nicht nur christlich, sondern in fast allen Religionen vertreten. Schon früh am Morgen, bei tollen frühlingshaften Temperaturen, trafen sich die Kinder und Jugendlichen auf dem Schulhof. Nach der Begrüßung und dem symbolischen Abschalten der Handys – denn Pilgern heißt auch, sich bewusst Zeit zu nehmen und auf digitale Ablenkung zu verzichten – ging es los zur Evangelischen Stadtkirche. Dort wurde die Gruppe von Frau Stiehler, einer professionellen Pilgerbegleiterin, begrüßt. Sie sprach einen Segen und erläuterte, was die Jakobsmuschel bedeutet, die den Weg weist. Danach erhielt jeder seinen Pilgerausweis, der auf der Wanderung mit zwei Stempeln versehen wurde: an der Evangelischen Stadtkirche in Weingarten und an der St. Jodokkirche in Ravensburg. Die Route war in mehrere Stationen eingeteilt, die sich an der Ostergeschichte orientierten, aber für alle offen gestaltet waren. An jeder Station gab es kurze Impulse und Raum für eigene Gedanken. Am Pilgerdenkmal in Weingarten stand das Thema Freude im Mittelpunkt: „Worüber freue ich mich? Und wie kann ich anderen eine Freude machen?“ Die Fragen sollten zum Nachdenken anregen. Beim Waldrand ging es um das Teilen und Kennenlernen, mit einer kleinen Geste: die Schüler und Schülerinnen teilten Matzen miteinander. Matzen sind ungesäuerte Brote, die besonders im jüdischen Pessach-Fest eine wichtige Rolle spielen und an den Auszug aus Ägypten erinnern. Das Teilen der Matzen symbolisierte die Verbundenheit und das gemeinsame Unterwegssein. Das sorgte für eine lockerere und erfreute Stimmung bei den Teilnehmenden. Am Weiher beim Bismarckdenkmal beschäftigte die Gruppe das Thema Karfreitag. Alle suchten sich einen Stein aus, der seine eigenen Lasten widerspiegelte. Eine Idee, die sehr gut ankam und auch ernst genommen wurde. Es folgte eine stille Phase, in der alle Schüler eine Weile schweigend dem Weg folgten. So wurde die schöne Umgebung beim sonnigen Wetter viel besser wahrgenommen. Es ist schließlich eines der Ziele beim Pilgern, auch einmal alleine mit seinen Gedanken zu sein und in sich zu gehen. Später wurden die Steine im Kreis weitergegeben, um zu zeigen, dass Lasten gemeinsam leichter sind. Als sie in Ravensburg an der St. Jodokkirche ankamen, legten die Kinder ihre Steine ab – das war der Abschluss der Wanderung. Den verantwortlichen Lehrkräften war es besonders wichtig, dass alle mitmachen konnten – egal, welche Religion oder Weltanschauung vertreten wird. Es ging vor allem darum, gemeinsam zu gehen, über Werte wie Gemeinschaft, Freude und das Tragen von Lasten nachzudenken und sich bewusst eine Auszeit vom Alltag zu nehmen. Nach etwa fünf Stunden und knapp acht Kilometern endete die Tour mit einem Abschlusskreis und der Rückfahrt nach Weingarten. Auch Frau Stiehler zeigte sich am Ende sehr zufrieden, sie war erstaunt, wie gut alles funktioniert hatte. Viele Schülerinnen und Schüler nahmen nicht nur neue Eindrücke mit, sondern auch ein Segensbändchen und ihren Pilgerausweis als Erinnerung – ein Zeichen dafür, dass Pilgern verbindet, egal, wie man glaubt. Von Elena Mahl (Kl.10a)