„Man sieht nur mit dem Herzen gut – das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. „
Bei der Aufführung von ,,Der kleine Prinz“ der Oberstufen-Theater-AG des Gymnasium Weingarten konnte man umformulieren: Man sah das HERZ-blut gut, das WESENTLICHE wurde für die Augen sichtbar.
Zwei Teile hat das Werk ,,Der kleine Prinz“: der kleine Prinz auf der Erde und der kleine Prinz bei seiner Reise von Planet zu Planet. Die Bühne wird entsprechend gestaltet: die Erde wird durch kantige weiße Würfel voller Elektroschrott symbolisiert. Denn hier ist der Absturz des Piloten ein Absturz des Computer-Systems, das der verzweifelte Pilot durch hektisches Programmieren versucht, in den Griff zu bekommen. Diese Getriebenheit wird von Nicolas Bell hervorragend umgesetzt. In dieser Stress-Situation begegnet er dem kleinen Prinzen. Medina Qullumi spielt den kleinen Prinzen auf der Erde und zeigt dabei eine große Bandbreite der Emotionen, von der Entrüstung über das falsch gemalte Schaf über die kindliche Freude über das Schaf in der Kiste bis hin zum verzweifelten Heimweh nach der Rose.
Der zweite Teil des Stücks zeigt die Reise von Planet zu Planet. Die Bühne ist jetzt rötlich beleuchtet und jeder Planet wird durch einen sanft wippenden Ballon symbolisiert. Der Flug von Planet zu Planet wird durch das Fliegen mit dem Aerial Silk dargestellt. Die Rolle des kleinen Prinzen wechselt jetzt zu Rebekka Martiny. Sie spiegelt den spielerisch-kindlichen Ton und die verspielte Gestik des ersten Teils, bei ihr kommt hinzu die große Neugier, aber oft auch das völlige Unverständnis gegenüber dem, was die Figuren erzählen, die der kleine Prinz auf seiner Reise trifft:
Der kleine Prinz kümmert sich liebevoll, aber auch leicht überfordert um die Rose. Isabella Rus gibt ihrer Rolle eine schöne Mischung aus Anspruchshaltung und Zartheit. Der Geschäftsmann will alles über Zahlen und Besitz kontrollieren. Maya Rehm spielt ihn laut mit überschnappender Stimme und hysterischem Lachen. Beim nächsten Planeten trifft der kleine Prinz auf den König. Dieses Treffen jagt ihm sichtbar Angst ein, denn der König präsentiert sich als machtbesessener Narzisst, bei dem Nicolas Bell mit furchterregendem Make-Up und diabolischem Lachen eine ganz andere Seite zeigen kann als bei seiner ersten Rolle als Pilot. Immer wieder wird das Stück aktualisiert: die ,,Eitle‘ wird hier als gestresste Influencerin gestaltet. Leni Minsch zeigt, wie nahe sich Perfektion und Angst vor dem entscheidenden Fehler sein können. Jona Rief bringt in seinen Rollen als Säufer und als Geograph das Publikum zum Lachen, so authentisch ist sein Spiel. Der Laternenanzünder muss ständig die Laternen an- und wieder ausmachen. Sarah Rief rennt von einer Seite der Bühne zur anderen und ist sichtlich genervt von den Fragen des kleinen Prinzen. Sie spielt auch die Schlange, die der kleine Prinz auf der Erde trifft, sie gibt der Schlange eine wundervolle Mischung aus Verführung und Gefahr.
Auf der Erde trifft der kleine Prinz zuletzt den Fuchs. Medina Qullumi, die jetzt wieder den kleinen Prinzen spielt, und Liana Walter spielen die Szene des Zähmens so anrührend, dass einem der Atem wegbleibt. Liana Walter zeigt als Fuchs die wildtier-typische Mischung aus Neugier und Furcht, die das Tier nur mit größter Überwindung besiegt.
Insgesamt zeigte die Theater-AG des Gymnasium Weingarten eine herausragende und anrührende Leistung, die natürlich auch ein Erfolg ihres Regisseurs, Peter Kliebhan, ist.